Bohusleden

Schweden

Wilde schwedische Natur, endlose Seen und völlige Freiheit. Und das alles in einem Land, in dem das Wandern praktisch und als Nationalsport gilt. Lass uns doch nach Schweden, zum Wandern, mit voll bepackten Rucksack durch die Natur. Es sollte das erste Mal sein, dass wir, meine Freundin Ena und Ich, alleine für mehrere Tage durch die Natur wandern und wildcampen. Praktischerweise ist Schweden eines der wenigen Länder, in denen das wilde kampieren unter freien Himmel völlig legal ist. Bepackt mit Zelt, Wasserfilter, Kocher und jeder Menge Tütennahrung starteten wir in unser kleines Abenteuer. Da dies unser erster Trip dieser Art war und wir auch nur relativ wenig Zeit zur Verfügung stand war es wichtig einen Weg zu wählen, der keine größere Anreise innerhalb Schwedens erforderte, durchweg gut markiert und im Notfall die Zivilisation gut zu erreichen ist. Zudem sollte es mehrere Möglichkeiten unterwegs geben auszusteigen. Der Trail “Bohusleden” startet in Göteborg und erstreckt sich über knapp 360 km bis nach Strömstad auf 27 Etappen, erfüllt all diese Aspekte und bietet sogar noch viele Windschutzhütten zum Übernachten. Perfekt.

Klicke hier, um den Trail anzuzeigen.

8. Juli 2015 Flug nach Göteborg

Der Flug ging von Düsseldorf über Berlin nach Göteborg. Um die Schnallen zu Schützen wickelte ich meinen Rucksack in Frischhaltefolie. Wir kamen gegen Mittag in IMG_0210Göteborg an und machten uns erstmal auf zum Hostel, das wir für die erste Nacht gebucht hatten. Nach einem kurzen Nickerchen, machten wir uns auf die Innenstadt zu erkunden und vor allem um Gas für den Brenner zu besorgen (Gaskartuschen sind ja leider Flugzeug leider strengstens verboten). Auf dem Weg zurück zum Hostel fing es fürchterlich an zu regnen und mein Poncho durfte sich zum ersten Mal als nützlich erweisen. Das konnte ja morgen heiter werden und die Prognose für die kommenden Tage war auch nicht gerade gut. Im Hostel gab es dann noch eine Schale Baked Beans zum Abendessen. Da ich ziemlich erledigt und aufgeregt war, ging es an diesem Abend früh ins Bett.

9. Juli 2015 Lindome – Kållered

Der Morgen war grau und regnerisch. Wenig einladend eine Wanderung zu starten. Mit dem Bus 762 in Richtung Inseros ging es bis Bunketorp (Mölndal), dem Start- IMG_8969bzw. Endpunkt des Bohusleden. Bohus steht übrigens für die Region Bohuslän, durch die sich der Weg erstreckt, während leden schwedisch ist und soviel wie Weg bedeutet. Der Bus ließ uns irgendwo im Nirgendwo auf einer Landstraße heraus. Ich studierte die Karte und fand auch gleich die erste orangene Markierung. Ganz in der Nähe stad eine große Tafel mit einer Übersichtkarte. Der Himmel klarte mittlerweile auch auf und so machten wir uns auf den Weg. Nach etwa einer Stunde kamen wir an den ersten kleinen See und freuten uns riesig darüber. Eine kleine Windschutzhütte stand ebenfalls direkt am Ufer. Wie gerne wäre ich  geblieben, um zu dort zu übernachten, jedoch war es noch viel zu früh. So machten wir eine kleine IMG_0192Pause und setzten unseren Weg fort. Nach einer Weile hatten wir immer größere Schwierigkeiten die Markierungen zu finden und schienen irgendwie im Kreis herumzuirren. Mir wurde etwas mulmig, wie sollte das erst in den nächsten Tagenwerden. Wir entschieden den Weg zu verlassen und auf einen der vielen anderen Wegen auszuweichen. Ohne Erfolg. Auf der Karte war ein Golfclub eingezeichnet. Vielleicht konnte uns dort jemand weiterhelfen. Wir hatten Glück und es war tatsächlich ein älteres Pärchen anwesend. Der Golfclub selber war wenig vergleichbar mit der hiesigen Vorstellung. Nichts feines IMG_9014oder schickes, es war nicht einmal sichtbar, dass dies ein Golfclub sein sollte. Das Pärchen war sehr hilfsbereit und sprach erstklassiges Englisch. Von Bohusleden hatten beide jedoch noch nie wtwas zuvor gehört oder gesehen. Der Mann meinte am Ende einer entfernten Forststraße mal ein Zeichen gesehen zu haben, war sich jedoch nicht sicher. Er fuhr los, um nachzuschauen, während wir kurz warten sollten. Es stellte sich heraus, dass er sich geirrt hatte. Währenddessen telefonierte die Dame mit Bekannten aus einem anderen Sportclub. EinErfolg. Am Sportplatz waren Markierungen. Knapp 4 km von unserem Standort entfernt. Kurzerhand lud der Mann unsere Rucksäcke ein und fuhr uns dorthin. Welch ein Glück. Als wir dort ankamen, die Überraschung. Wir waren genau dort, wo der Bus uns herausließ. Na Bravo. In unserer IMG_8993übereifrigen Vorfreude hatten wir nicht darauf geachtet in welche Himmelsrichtung wir gehen und der Weg endete praktisch in einer Schleife. So starteten wir also erneut in unser Abenteuer, diesmal in die richtige Richtung. Auf dem Weg fanden sich auf einmal zahlreiche Warnschilder. Meine Schwedischkentnissen reichten, um zu erkennen, dass vor etwas gewarnt wird, jedoch kannte ich das Wort für den Grund nicht. Bären? Höhleneinstürze? Nein es waren Bogenschützen. Der Weg verlief inmitten einer Bogenschießanlage und neben uns hingen Zielscheiben an den Bäumen! Ich fing an zu singen, in der Hoffnung, dass man uns frühzeitig hören würde. Der Weg ging weiter entlang einiger Wohnsiedlungen und führte an einen kleinen See. Die Sonne kam raus und wir machten eine Pause. Als wir weiter gingen konnte ich deutlich meine Hüftknochen spüren, die unter der Last des knapp 18 kg schweren Rucksacks anfingen zu schmerzen. An einem Badesteg versorgten wir uns mit Wasser und ich nahm mein erstes Bad in Schweden. Was mir vorher nicht IMG_0221bewusst war, die Seen in Südschweden enthalten alle Moorwasser und erscheinen daher braun. Gesund für die Haut! Das Filtern bringt jedoch wirklich viel. Optisch als auch geschmacklich. Es wurde bereits Abend, bis zur ersten Windschutzhütte war es jedoch nicht mehr weit. Auf der Karte war die Windschutzhütte mit einem Fragezeichen versehen. Aber zumindest befand sich ein kleiner See, der Store Tjärnet am Lagerplatz, sodass wenigstens für Wasser gesorgt war. Als wir dort ankamen brannte dort bereits ein Feuer und zwei junge Männer  hatten es sich gemütlich gemacht. Wir durften mit in der kleinen Hütte übernachten, zum Zelten war der Platz eher ungünstig und weiter wollten wir auch nicht mehr. Es war schon fast 21 Uhr und IMG_0230außerdem fing es just an zu regnen. Die Jungs waren Studenten aus Münster und wie wir das erste Mal unterwegs. Sie hatten sogar Angeln dabei, jedoch brachte ihnen der Store Tjärnet keinen Fisch auf den Teller. Die Hütte war zu einer Seite hin offen und es passten 4 Leute gerade eben so hinein. Es wurde gar nicht richtig dunkel. Mitten in der Nacht schüttete es dann kräftig und dicke Tropfen klatschten mir auf die Stirn. Die Hütte war nicht wohl doch nicht dicht…

10. Juli 2015 Kållered – Stora Delsjön

Nach einer unruhigen Nacht wachte ich vom Gewusel der Jungen auf. Es wirkte noch recht diesig, regnete jedoch nicht mehr. Die Jungs waren deutlich früher fertig als IMG_9027wir und machten sich schon auf den Weg. Da wir generell keine Strecken- oder Etappenziele geplant haben, ließen wir uns mit dem Frühstück Zeit. Gerade als wir starteten kam prompt die Sonne heraus. Es ging bergauf in den Wald und schon bald erreichten wir die erste Anhöhe mit Ausblick auf den wunderschönen Rävekärrs Långevatten. Typisch für Südschweden sind die durch die Eiszeit glatten Felsformartionen, die ich total liebe. Am See Hörsickan machten wir eine Pause, gingen baden, füllten unsere Wasservorräte auf und wuschen unsere Wäsche. Am morgendlichen Lagerplatz war das Seeufer nur schwerzugänglich. Es war IMG_9021ein unglaublich schöner Lagerplatz direkt am See mit zwei Windschutzhütten. Es war jedoch unglaublich winding und so fiel das geplante Sonnenbad aus. Der Weg nach Gunnebo zog sich durch lichten Wald und schönen Anhöhen. Nach und nach plagte uns der Hunger, da das Essen eher knapp kalkuliert war und wir an diesem Tage die Zivilisation streifen sollten, hofften wir dringlichst auf ein Café oder Ähnliches. Der Bohusleden verläuft in Mitten eines großen Parks, der zu einem Herrenhaus in Gunnebo gehört. Wir hatten Glück, es war Samstag und das Café hatte IMG_9039geöffnet. Es war ein recht feiner Ort mit Golfplatzatmosphäre und die schwedischen Touristen aus der Region schauten uns doch etwas seltsam an, als wir mit voll bepackten Wanderrucksäcken das Cafe betraten. Wir passten so gar nicht ins Bild, was auch durch IMG_9047die Socken und Unterwäsche, die zum Trocknen an meinem Rucksack hing, nicht gerade besser wurde. Es gab jede Menge Kekse und eine kalte Tomatensuppe. Wir vertrödelten recht viel Zeit in dem wunderschönen Garten bis es schließlich gestärkt wieder über die Ländereien und Viehkoppeln auf den Bohusleden zurück ging. Langsam wurde es Zeit sich über einen Schlafplatz Gedanken zu machen. Die Karte zeigte keine Windschutzhütten für die kommenden 20 km an. Wir entschieden uns nach einen geeigneten Zeltplatz am Stora Delsjön Ausschau zu halten. Leichter gesagt als getan. Um den See herum gab es nur wenig Platz am Ufer. Zudem führte ein ausgebauter Weg am See entlang. Für mich war es ein komisches Gefühl in Mitten der Öffentlichkeit ganz untersteckt Zelten zu müssen, es blieb jedoch keine andere Wahl und es wurde immer später. Letzendes fanden wir ein IMG_9042kleines nettes Plätzchen für unser Zelt direkt am Seeufer ohne direkt auf dem Weg zu liegen. Eine Bank gab es sogar auch noch. Wir hatten eine kleine Mini-Weinflasche dabei und es war der perfekte Moment sie beim Sonnenuntergang am See zu trinken. Im Nachhinein war es einer der schönsten Plätze, an denen wir geschlafen haben. In der Nacht schlich die ganze Zeit eine kleine Maus um unser Zelt herum, die uns ziemlich erschreckte.

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Sonnenuntergang am Stora Delsjön

11. Juli 2015 Stora Delsjön – Stora Blackjärn

Ein Nachtteil am Zelten ist, dass sobald ein paar Sonnenstrahlen auf das Zelt fallen, wird es unheimlich heiß und man wird langsam durch die unerträgliche Hitze geweckt. Also IMG_9086kroch ich gegen 6 Uhr morgens aus dem Zelt und war überwältigt von der Stille und den umglaublich schönen Anblick des Sees. Der See war völlig windstill und strahlte in einem königsblau. Ich legte mich in meinen Schlafsack auf die Bank und schlief noch ein wenig in der kühlen Morgenfrische weiter. Nach dem obligatorischen Bad und Frühstück ging es weiter in einen sonnigen Tag. Nach nur kurzer Zeit war es um die 27 °C und die Sonne schien. Dummerweise hatte ich aufgrund der schlechten Wetterprognose und Gewichtsgründen auf Sonnenmilch verzichtet. Ein Fehler. Der Stora Delsjön ist zu recht ein beliebter IMG_9084Badesee und da es Sonntag und mitten in den Ferien war, war bereits wenige Kilometer weiter an der Badewiese ziemlich viel los. Ich fragte eine schwedische Familie nach etwas Sonnenmilch und war erstmal versorgt. Wir konnten unsere Trinkwasservorräte an der öffentlichen Toilette (die übrigens überall kostenlos sind) auffüllen und kauften uns ein Eis 🙂 Welch ein Luxus, kein Wasser mühsam filtern zu müssen. Es wurde immer wärmer und wimmelte von Menschen und so Begann das Drama an diesem Tag. Wir verliefen uns das erste Mal an der Badestelle und landeten auf einem kleinen Inselarm, an dem es zwar wunderschön IMG_9240zum campen gewesen wäre, es jedoch auch nicht mehr weiter ging. Zurück auf dem Weg war es nicht einfach den Markierungen zu folgen. In Skåtas nahm das Unglück dann seinen Laufen. Die Markierungen führten uns in eine Art Feriendorf und leiteten uns bis zum Dorfplatz. Wieder einmal nutzten wir die Chance mit Pommes ein paar extra Kalorien zu ergattern. Mit vollen Bäuchen nahm das Drama dann seinen Lauf. Ab dort fanden wir keinerlei Markierungen mehr. Ein großes Schild machte noch dazu Werbung für den Bohusleden. Wir irrten stundenlang in der Mittagshitze durch das Dorf, gingen mehrfach zurück zur Abzweigung und fragten in der Information IMG_9237nach. Keiner hatte zuvor was von Bohusleden gehört. Keine Chance, der Weg schien hier zu Enden und die Laune war auf dem Tiefpunkt. Irgendwann entschied ich mich mithilfe von Google Maps zum nächsten See, der auf der Karte eingezeichnet war zu navigieren, denn der Weg sollte direkt das Seeufer schneiden. Auf Google Maps waren keine Wege eingezeichnet und so blieb mir nichts übrig, den kleinen blauen Punkt irgendwie zum See zu führen. Wir gingen querfeldein, durch Gestrüpp  und Feldwegen. Waren das orangene Zeichen? War das wirklich der Bohusleden? Ja, wir waren wieder zurück auf dem Weg und ich war wirklich überaus erleichtert. Hinterher stellte sich heraus, dass der Weg noch 500 m vom Feriendorf IMG_9242entfernt nach rechts abbog, was jedoch nicht auf den Markierungen zu erkennen war. Der kleine annavigierte See war nur ein kleiner Tümpel. Zum Zelten wenig geeignet. Das Verlaufen hatte uns an diesem Tag unheimlich viel Zeit gekostet. Es war bereits Nachmittag und wir waren nur knapp 5 km weit gekommen. Etwas voran kommen wollten wir ja doch. So ging es strammen Schrittes wieder hoch in den Wald. Der Weg belohnte uns für die Strapazen. Inmitten des Knipelflågsbergens naturreservat entschieden wir heute unser Lager aufzuschlagen. Der Stora Blacktjön war zwar ziemlich klein, jedoch der letzte See für die nächsten 15 km. IMG_9248Mir wurde das Erste Mal bewusst welche Bedeutung eigentlich Wasser hat und wie wichtig es mir ist, dass ein See in der Nähe des Lagerplatzes vorhanden ist. Es gab jedoch ein Problem. Direkt am See lag ein Schotterweg, der zur einen Seite durch den See selber und zur anderen Seite durch eine steile Felswand gegrenzt war. Es war unmöglich dort zu Zelten. Wir legten die Rucksäcke ab und überlegten. Es dämmerte bereits. Ich kletterte von der Seite den Felsen hoch und siehe da, ganz oben war er. Der perfekte Zeltplatz. Windgeschützt in einer Mulde, versteckt und mit Blick auf den See. Da schlug auch das Kletterherz etwas höher. Ich weiß nicht IMG_9260wie ich es geschafft habe das Zelt auf den kargen Stein ohne Boden aufzubauen und zu verankern, aber es hat geklappt. Es wurde schnell ziemlich frisch dort oben, aber die Aussicht entschädigte für alles.

12. Juli 2015 Stora Blackjärn – Jonsered

Nach einem Ausgiebigen Frühstück oben auf dem Felsen hieß es erstmal Wasser filtern. Und das nicht zu knapp. Unsere Reserven waren komplett aufgebraucht und so mussten IMG_9292fast 6 l Wasser mühevoll durch den Filter gedrückt werden. Das geht nicht nur auf die Hände, sondern auch aufs Material. Der nagelneue Drückbeutel fing bereits an langsam undicht zu werden. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wir voll gepackt startklar waren. Der Weg führte uns nahezu den ganzen durch den Wald und über zahlreiche Anhöhen. Nach einer Weile schneidet der Bohusleden den Vildmarksleden, sodass wir auch noch anderen Wanderern begegneten. Wir machten an diesem Tag gute Strecke, da wir kaum größere Seen schnitten und so wenig Pause machten. Die Entscheidung am Abend zuvor auf dem Felsen zu campen war goldrichtig, denn die nächste Windschutzhütte lag nicht nur oben ungeschützt auf einer Anhöhe, sondern war dazu noch ausgebrannt. Unser Ziel war es wie jeden Tag an einem See zu campen, was sich als ziemlich schwierig herausstellte. Bei Åstebo war IMG_9345zwar ein See, jedoch wollten wir noch weiter. Ein paar Kilometer weiter war eine Windschutzhütte eingezeichnet und ein winziger Fleck. Konnte man das wirklich als See bezeichnen? Wir gingen auf gut Glück weiter und durchquerten einen märchenhaften Fichtenwald. Mitten im Wald stand die Hütte. Sie sah aus wie ein Hexenhaus und der Wald schluckte das Tageslicht. Ein unheimlicher Ort. Zudem stand die Hütte direkt am Weg. Wir entschieden uns dennoch IMG_9311zu bleiben. Der blaue Fleck auf der Karte war ein winziger Tümpel mit einer Schicht aus Insekten. Ich konnte die wenigen Zentimeter bis auf den Grund sehen. Es half alles nichts, so schöpfte ich vorsichtig Wasser und es wurde gefiltert was das Zeug hielt. Da unser Wasserverbrauch relativ hoch war, benutzten wir zusätzlich noch Chlortabletten, die als Getränk schrecklich mit dem Moorwasser schmecken, im Essen jedoch geschmacklich untergehen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie mich noch der Geschmack von Chlorwasser prägen IMG_9344würde…. Die Nacht war weniger gruselig als erwartet und die Hexe tauchte glücklichweise nicht auf.

13. Juli 2015  Jonsered

Die Hexe kam zwar nicht, allerdings machten wir am Morgen eine andere unheimliche Begegnung. Zwei Schwedinnin tauchten mit ihren offensichtlich Hütehunden auf, um sie
IMG_0164für die Jagd zu trainieren. Und so flogen während unseres Frühstücks geköpfte Enten durch die Gegend. Ein Anblick auf den ich hätte verzichten können. Auf unseren Karten sind immer wieder kleinere Tipps und Attraktionen eingezeichnet. Im Winter soll es nur wenige hundert Meter weiter ein Waffelhaus geben. Die Hoffnung war groß, denn langsam mussten wir unsere Nachrung rationieren. Schade, das Waffelhaus hatte geschlossen und es befand sich leider auch kein Hahn an der Hauswand, um Leitungswasser zu zapfen. Wir hatten die Hoffnung jedoch nicht ganz aufgegeben, denn Jonsered war nahe und es war sogar eine Tankstelle eingezeichnet. Die Tankstelle hatte auch geschlossen, also klingelten wir in einem Haus nebenan und fragten nach Wasser. Die ältere schwedische Damen zeigte uns den Außenhahn und so tauschten wir das Tümpelwasser gegen frisches Leitungswasser und tranken selbst so viel wie zwei Kamele. Ein Traum. Direkt in Jonsered durchquerten wir IMG_9354das stillgelegte Fabrikgelände der Firma Jonsered Fabrika, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert gegründet wurde und bereits Krankversicherungen, medizinische Versorgung und Schulunterricht für die Angestellten zur Verfügung stellte. Es gab dort zwei Antiquitätenläden, jedoch nicht mal einen Müsli Riegel. Der Weg ging weiter eine hüglige Straße entlang und ich gönnte mir meinen letzten Müsli Riegel. Hunger schlägt auf die Stimmung und ich habe nicht damit gerechnet wie hungrig Wandern tatsächlich macht. Sei es drum, wir mussten wohl oder übel bis zum Abendessen warten und so stieg zumindest die Vorfreude von Kilometer zu Kilometer. Ich wunderte mich, wo wohl die Jungs geblieben waren, die wir am ersten Abend an der Hütte getroffen hatten. Die nächste Windschutzhütte sollte an einem Rastplatz mit Feuerstelle und sogar Toiletten liegen. Die Karte versprach, dass die sogenannte “Kate Freden” von dem Freiluftverein Friluftsfrämjandet betrieben wir und IMG_9488es am Wochenende sogar Kaffee und Kuchen geben sollte. Wir waren skeptisch und erreichten den Rastplatz zur Dämmerung. Wir kamen aus dem tiefen Wald und drohten schon uns mal wieder zu verlaufen. Wir waren bereits ziemlich erschöpft und konnten und kaum vorstellen, dass hier auch nur eine kleine Hütte stehen sollte. Und plötzlich standen wir im Paradies. Auf einer Lichtung fanden wir fein gemähten Rasen, 2 große Windschutzhütten, eine Feuerstelle, Tische und ein typisches rotes schwedisches Häuschen. Es gab sogar Toiletten und fließendes Wasser (Brunnenwasser). Dazu waren wir noch völlig alleine. Wir liefen wild unf freudestrahlend umher und freuten uns wie die Kinder über diesen luxuriösen Ort. Später fand ich noch einen Schuppen mit Feuerholz und hackte Holz für ein großes Lagerfeuer. Das war mein Traum von Schweden.IMG_0152
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14. Juli 2015  Jonsered – Angered

Am Morgen bekamen wir Besuch. Eine Frau und ein Mann in unserem Alter, offensichtlich vom Friluftsverein kamen dorthin, um zu frühstücken. Beim IMG_9423Zusammenpacken stieß ich mir am dach der Windschutzhütte so heftig und laut den Kopf, dass die Frau erschrocken zu mir rannte und fragte, ob alles OK sei. Gut gelaunt starteten wir in den Tag und verliefen uns prompt. Der Weg verlief wieder hauptsächlich durch Wälder ohne Seen in der Nähe. Der Rucksack war mittlerweile sehr leicht geworden und an diesem Tag hatten wir alle unsere Snacks für Zwischendurch aufgebraucht. Mich plagte der Hunger und meine Gedanken und Gesprächsthemen kreisten ausschlißelich ums Essen. Es bestand Hoffnung, dass in Angereds Kyrka vielleicht eine Möglichkeit bestand an Essen zu kommen. Der Weg dahin zog sich jedoch qualvoll. Wir konnten beide nicht mehr. Wir kamen in eine ruhige Wohnsiedlung und rangen uns dazu durch nach einem Supermarkt in der Nähe zu fragen. Die einzigen Menschen, die weit und breit zu sehen waren schienen etwas IMG_9470verstört von unserem Anblick und wir bekamen keine Aufschlussreiche Antwort. Wir gingen einen Hügel hinunter auf eine Hauptstraße zu. In weiter Ferne konnte ich etwas erkennen. Könnte ein Baumarkt sein. Wir wurden immer schneller. Selbst in Baumärkten gibt es manchmal Schokolade. Gerade noch elendig kriechend und energielos rannten wir jetzt regelrecht. Und tatsächlich. Ein Supermarkt. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Wir stürmten regelrecht den Laden und kauften einen riesen Korb voll Essen. Der ganze Einkauf war mit knapp 50 € unheimlich teuer und sollte im Prinzip nur für heute und morgen bemessen sein. Vor IMG_9483dem Laden holte ich meine Picknickdecke heraus und wir kippten alles auf die Decke und futterten drauf los. Ich wäre fast geplatzt. Anschließend stopften wir alles in die Rucksäcke, die jetzt zusammen mit frischem Wasser richtig richtig schwer waren. Aber egal. Unsere Euphorie war riesig und an unserem letzten Abend auf dem Bohusleden würden wir ein Festmahl zubereiten. Wir wollten noch einiges an Strecke machen, damit wir morgen genug Zeit hatten in ruhe nach Göteborg zurück zu kommen. Der restliche Weg führte fast ausschließlich an Seeufern entlang, die jedoch sehr sumpfig und wenig geeignet zum Zelten waren. Auf dem Weg fanden sich zahlreiche Windschutzhütten, die jedoch alle bereits belegt waren. Seltsam, so sind wir doch vorher tagelang keinen anderen Wanderern begegnet. Es war schon spät als wir die letzte Windschutzhütte vor der Stadt Bohus erreichten. Der Platz war perfekt und es schien auch niemand da zu sein. Die Hütte IMG_9508stand versteckt am Ufer eines Sees einige hundert Meter vom Weg entfernt. Unglücklicherweise lag bereits ein Engländer in der Hütte und er schlief bereits. Wir hatten keine Wahl, wir stellten unser Zelt in der Nähe der Hütte auf, um ihn nicht zu stören und hatten noch einen schönen Abend mit einem großzügigem Abendessen.

15. Juli 2015  Angered – Bohus

Als wir am Morgen aufwachten, war der Engländer bereits aufgebrochen. Wir frühstückten in Ruhe und ich ging noch eine Runde schwimmen bevor wir unseren IMG_9528letzten Tag auf dem Bohusleden starteten. Wesentlich schneller als erwartet erreichten
wir die Stadt Bohus und fuhren mit dem Bus zurück nach Göteborg. Wir hatten zwei Tage zuvor ein Hostel etwas nördlich in Göteborg gebucht. Es war enorm schwierig noch ein bezahlbares Bett zu bekommen und uns wurde schnell klar warum. In Göteborg fand ein internationales Fussballturnier für Jugendliche statt und überall in der ganzen Stadt wimmelte es von Teenagern in Fussballtrikots. Ein Bett im 8er Zimmer kostete um die 55 € pro Person und das Zimmer rechtfertigte nicht mal ansatzweise den Preis. Wir machten uns noch einen schönen Abend in Göteborg, gingen Essen und gönnten uns ein Bier. Als wir zurück ins Zimmer IMG_9533.jpgkamen, dann der Schock. Es stank wiederlich nach nassem Hund. Auf dem Flur standen zwei Sofas, auf die schon zwei unserer Zimmergenossen geflohen waren. Ich wünschte mich ins Zelt zurück. Am nächsten Morgen fragte uns der Besitzer ob alles OK war und ob wir wüssten, warum die Leute auf dem Sofa im Flur geschlafen hätten, wir erzählten, dass es in dem Zimmer nicht auszuhalten war der Geruch offenbar von einer Person stammmte. Es tat ihm unheimlich leid wir erhielten einen Teil unseres Geldes wieder und eine Einladung in sein Sommerhaus, das am Bohusleden weit im IMG_9548Norden liegt. Wir erzählten ihm, dass wir etwas enttäuscht waren keine Elche gesehen zu haben und er meinte nur das wäre auch besser so, denn oft fressen diese faules Fallobst. Dieses gärt dann zu Alkohol im Magen und die Tiere werden aggressiv und gehen gerne auch mal auf Menschen los. Gegen Mittag ging es zum Flughafen und zurück nach Düsseldorf.

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